Der Anne-Frank-Tag an der EuBo
09.09.2026

Der Anne-Frank-Tag an der EuBo

7. Juli 2026 


 

Peer-Projekte führen zum Austausch

„Ich denke, man muss die Konsequenzen kennen, um sich dafür einsetzen zu können, dass solche Ereignisse nie wieder geschehen.“
Diese und viele weitere Gedanken bekommen wir Q1-Schülerinnen und -Schüler im Laufe des Peer-Projektes zum Anne-Frank-Tag zu hören. Es wird klar: Ob klein oder groß, es ist uns wichtig, mit der Vergangenheit vertraut zu sein, denn der Wandel in der heutigen Politik ist deutlich und ihm kann nur mit Aufklärung entgegengewirkt werden. Diesbezüglich veranstaltet die Europaschule Bornheim einen bunten Tag, an dem sich Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgangsstufen mit dem Leben der Anne Frank oder mit Modulen zu Meinungsfreiheit, Demokratie und Toleranz auseinandersetzen.
Mich zieht es für den Tag zu den Peer-Projekten, die innerhalb der siebten und achten Klassen stattfinden. Die Planung für das besagte Projekt, in welchem Schülerinnen und Schüler der Q1 die Leitung übernehmen, beginnt aber schon viel früher. Unterrichtsmaterial wird von Oberstufen-Kursen in Sowi, Deutsch und Philosophie selbst erarbeitet und erstellt, um ein Programm auf Augenhöhe zu gestalten, welches das Ziel verfolgt, Schülerinnen und Schüler Geschichte durch tatsächliches Lernen und den Austausch mit anderen nahzubringen, statt sie stumpf abzuarbeiten.
Die Oberstufen-Geschichts-LKs bereiten gleichzeitig eine Stadtrallye vor, die so in diesem Jahr das erste Mal stattfinden soll. Hierfür bekommen sie Einblick in eine große Auswahl an echten Bildern der Bornheimer Innenstadt und Zeitzeugenberichten, welche sie herausarbeiten, um Infoposten in Bornheim aufzustellen, an welchen die Schülerinnen und Schüler einen lebensnahen Einblick in die Geschichte (der Stadt) bekommen sollen.
Zu Schulbeginn treffen sich je drei Oberstufenschülerinnen und -schülern mit Lernenden der Klassen 7 und 8 in ihren Klassenräumen und der Tag beginnt. Zum Einstieg wird erst einmal gesammelt, wer Anne Frank gewesen ist und warum ihr ein eigener Tag gewidmet ist. Ihre Geschichte beinhaltet unter anderem, so schreibe ich mit, „ein Tagebuch, das sie während des Zweiten Weltkriegs schreibt“, und viele weitere Dinge wie ihre Religion oder Familie. Schon jetzt steht für uns fest, dass es diesen Tag nicht umsonst gibt und dass es interessant ist, sich so über die Vergangenheit miteinander auszutauschen.
Um zusätzlich Informationen über die Geschehnisse des Holocausts zu sammeln, arbeiten die Schülerinnen und Schüler anschließend mit einer
logo!-Dokumentation, in welcher die Zeitzeugin Eva Umlauf von ihrem Aufenthalt in Auschwitz berichtet. Die knapp 15-minütige Dokumentation nimmt die Schülerinnen und Schüler sichtlich mit. In der Nachbesprechung fragen wir uns: „Wie kann man selbst kleinen Babys so etwas antun?“ Rückgemeldet wird uns außerdem, dass die Perspektive einer Zeitzeugin allgemein sehr interessant ist, da sich die Schülerinnen und Schüler in die Lage Betroffener besser hineinversetzen können, wenn die Geschichten hautnah erzählt werden.
Der weitere Verlauf ist je nach Peer-Group verschieden. Ob Meinungsbild im Klassenraum zu verschiedenen Fragen, welche dann anschließend diskutiert werden, oder Kreativaufgaben zu Anne Frank – es ist alles dabei, um das Thema interessenbasiert weiter zu vertiefen. Die Ergebnisse sind beeindruckend. In Tagebucheinträgen, aus der Sicht von Anne geschrieben, versetzen sich Schülerinnen und Schüler in die beängstigende Lage Annes und schreiben Gedanken und Gefühle auf, die ihnen durch den Kopf gehen:
„[…] Meine große Schwester versucht mich die ganze Zeit abzulenken, aber erst abends macht mir wieder alles Spaß, wenn wir gemeinsam essen und Spiele spielen. Im Anschluss hören wir mal ins Radio rein und hören, was draußen los ist, denn wir müssen immer noch hier leben. Manchmal habe ich auch Angst und stelle mir vor, wie es wäre, wenn wir normal zur Schule oder draußen spielen könnten, aber stattdessen müssen wir uns hier verstecken. […]“
Um noch mehr über Anne zu lernen, besichtigen alle Gruppen eine interaktive Ausstellung zu Franks Leben und den Auswirkungen des NS-Regimes auf das Leben von unschuldigen Jüdinnen und Juden und anderen marginalisierten Gruppen in ganz Europa. Hierbei wird ein Arbeitsblatt ausgefüllt, welches anschließend mit den Peer-Groups besprochen wird.
Nach einer kurzen Pause geht es für die Gruppe, die ich begleite, auf Spurensuche durch Bornheim. Auf der Secundastraße erwartet uns unser erstes Ziel. Wir stolpern wortwörtlich der Secundastraße 3–7 entgegen, bei welcher bereits drei Schülerinnen und Schüler des LK Geschichte stehen, die uns über die ehemaligen Bewohner:innen des Hauses – die Familien Katz und Koppel – aufklären. Die Stolpersteine erinnern hier an die grausame Deportation und Ermordung der Familie Katz durch die Nationalsozialisten in der Vernichtungsstätte Maly Trostinez.
Folgt man der Straße weiter und biegt auf die Königstraße ab, stößt man auf das nächste Ziel unserer Spurensuche durch die Zeit. In dem heutigen Modegeschäft Blumenthal befand sich nämlich die ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde Bornheim, welche durch die Nationalsozialisten im Zuge der Novemberpogrome 1938 niedergebrannt wurde.
Dadurch, dass sich die Stationen mitten auf den Bornheimer Straßen befinden, kommt es außerdem zu spannenden Gesprächen mit Passanten, die teils selbst Zeitzeugen und Zeitzeuginnen sind oder Geschichten ihrer Familienmitglieder erzählen können. Wieder in der Schule kommt es zum letzten Programmpunkt. Schülerinnen und Schüler werden gebeten, Postkarten zu beschriften, die verschiedene Themen wie Zukunftswünsche oder Vorstellungen einer besseren Welt beinhalten. Die Ergebnisse werden an einer langen Leine inmitten der „Oase“ für alle zugänglich aufgehängt. Die Karten beinhalten bewegende Gedanken wie Wünsche nach einer Welt „ohne Kriege, Rassismus und Diskriminierung […], in der sich jeder wohlfühlt“.
Die SuS teilen uns mit, wie wichtig für sie das Thema in der heutigen Zeit ist und dass auch manche heutigen Entwicklungen ihnen Angst bereiten und sie hoffen, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Oder um es in den exakten Worten eines Schülers auszudrücken:
„Ich hoffe, dass ich und kein anderer Mensch sowas jemals erleben muss.“

Von Nene Weber

 

Module zum Thema Respekt, Fake News und Menschenrechte

Neben den Peer-Projekten konnten die Schülerinnen und Schüler der Q1 sich an diesem Tag noch in weiteren Modulen mit verschiedenen Themenbereichen auseinandersetzen:

Im Rahmen des Dialogformats "Respektraum" wurden die Schülerinnen und Schüler in Kooperation mit dem Verein Respektraum e.V. Dazu eingeladen, über Werte, Menschenrechte und Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders ins Gespräch zu kommen. Ausgangspunkt sind dabei Thesen und Fragestellungen, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Ziel ist es nicht, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, die eigene Haltung zu reflektieren und respektvoll miteinander zu diskutieren. Ermöglicht wurde die Kooperation mit dem Verein durch die finanzielle Unterstützung des Fördervereins der Europaschule, bei dem wir uns dafür herzlich bedanken möchten.In Kooperation mit der Initiative "Journalismus macht Schule" bot die WDR-Journalistin Katrin Wrobel Einblicke in ihre Arbeit im WDR-Newsroom und zeigte im Gespräch mit Schülerinnen und Schüler Strategien auf, Fake News zu erkennen und Inhalte in sozialen Medien kritisch zu reflektieren.

Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigte sich außerdem mit dem Lebenswerk von Düzen Tekkal und ihren Schwestern, welche mit dem Verein Hawar Help eine bedeutende Menschenrechtsorganisation gegründet haben und sich gegen Rassismus und für ein respektvolles Miteinander einsetzen.

 

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